Ratgeber: Gebrauchte Gibson Les Paul kaufen. Das solltest Du wissen.

Du willst also eine gebrauchte Gibson Les Paul kaufen.

Made in USA, vielleicht sogar aus dem Custom Shop? Und dann aus welchem Baujahr? Welche Farbe, welche Spezifikationen? Auf was musst Du beim Kauf achten und wie kannst Du eine Gitarre, die Du im Netz kaufst, vorher schon klanglich einordnen? Wir haben Dir hier einen Ratgeber zusammengestellt, der sich mit dem Thema „gebrauchte Gibson Les Paul kaufen“ beschäftigt.

 

Die Entstehung der Gibson Les Paul

Den Namen hat die Gibson Les Paul von ihrem Erfinder, dem US-Jazzgitarristen Lester Polfus, dessen Künstlername „Les Paul“ war. Bereits 1941 entwickelte dieser die erste Solidbody Electric Gitarre, die damals unter dem Projektnamen „The Log“ (Holzklotz) lief. Hierbei hatte Les Paul ein massives Stück Holz als Korpus eingesetzt und einen Gitarrenhals sowie die beiden Hälften einer Halbakustischen Epiphone angeleimt. Sein Ziel war es, der Gitarre höhere Lautstärken zu ermöglichen, damit sich diese in den damaligen BigBands besser gegen die andren Instrumente durchsetzen konnten.

 

Baujahre der Gibson Les Paul und Gibson SG

Erst Jahre nach „The Log“ wurde 1952 die erste Gibson Les Paul vorgestellt. Damals noch mit Trapez-Tailpiece und zwei Singlecoil P-90 Pickups, aber schon mit goldfarbener Lackierung. Während der kommenden Jahre wurde die Les Paul weiter verbessert und erhielt schließlich 1957 ihre endgültige Humbucker-Bestückung nebst klassischem StopBar Tailpiece und intonierbarer Bridge.

Schon im Jahr darauf, 1958, erschien die erste Gibson Les Paul mit der heute noch legendären Sunburst Lackierung, bei der man die Deckenmaserung durchscheinen sah. Sie hatte einen angenehm dicken Hals und sollte mit den 1959 und 1960 erschienenen Modellen die Rockgeschichte der 1960er Jahre maßgeblich prägen und beeinflussen.

Wegen ausbleibender Verkäufe verschwand die Les Paul allerdings im Jahr 1961 wieder aus den Regalen und machte Platz für das neue Modell, die SG. Diese galt damals als neue Les Paul, auf den ersten Modellen war der „Les Paul“ Schriftzug auch noch zu finden. Die Gibson SG hatte einen schmaleren Body, war leichter und hatte ein Double-Cutaway, was die Bespielbarkeit in den oberen Lagen erleichterte.

Erst im Jahr 1968 sollte die Gibson Les Paul wieder zurückkehren. Legenden besagen, dass damals Restbestände der 1950er Produktion für die ersten 1968er Modelle verwendet wurden. Jedenfalls ist bei einigen dieser Modelle der charakteristische lange Halsfuß (Long Neck Tenon) und alte Potis aus den 1950ern zu finden. Diese ersten Modelle sind preislich mittlerweile im 5-stelligen Bereich angekommen und gesuchte Sammlerstücke. Damals gab es die Gibson Les Paul Standard als GoldTop und die Gibson Les Paul Custom in Schwarz sowie sehr wenige Modelle in weiß, die damals als Custom Orders verfügbar waren. Eine gebrauchte Gibson Les Paul der Baujahre 1958 oder 1959 sind mittlerweile unbezahlbar. Hier reden wir über Preise um 250.000 $.

In den 1970ern kaufte die US-Firma Norlin den Markennamen Gibson. Während der Norlin Zeit entstanden nicht die besten Gibson Les Pauls. Flache Ahorn-Hälse, super Flache fette Bundstäbe (Fretless Wonder) und die sg. Sandwich-Bodies sind Merkmale dieser Zeit. Ab ca 1978 sind die Modelle dann qualitativ besser. Eine gebrauchte Gibson Les Paul aus den 1980ern können wir aus eigener Erfahrung echt empfehlen. Die sind einfach fett, satt und haben Sustain vom Feinsten.

 

Die Modelle der Gibson Les Paul

Die meisten Gitarristen wollen eine gebrauchte Gibson Les Paul Standard kaufen. Das ist der Klassiker, den auch Led Zeppelin und andere große Bands spielten.

Beginnen wir mit den schmaleren Bodies, die bei der Gibson Les Paul Junior und Gibson Les Paul Special zum Einsatz kommen.

Dann geht es weiter mit der Les Paul Studio, die im Grunde schon eine vollwertige Les Paul ist, aber optisch nicht so aufwendig ist. Sie hat Trapez-Einlagen im Griffbrett, allerdings kein Binding um den Korpus und auch nicht am Hals. Die Kopfplatte ist lediglich bedruckt. Dafür ist diese Gitarre auch relativ günstig zu haben.

Die Les Paul Standard hat hier schon mehr zu bieten. Binding um die Decke, bessere Pickups (Gibson Burstbucker), Binding am Hals, Trapez Inlays, Pearloid-Logo in der Kopfplatte.

Die Krönung ist dann die Gibson Les Paul Custom. Diese hat jeweils um Decke und Boden ein mehrlagiges Binding, große Block-Inlays im Griffbrett, und ebenfalls ein Binding um das Griffbrett. Die Kopfplatte, die ebenfalls ein Binding besitzt und die charakteristische „Split Diamond“ Einlage und as Pearloid-Logo auf der Kopfplatte hat, sind quasi der Mercedes der Gitarren.

Im Laufe der Jahre kamen noch weitere Modelle hinzu, die dann aber auch genau so schnell wieder verschwanden. So zum Beispiel die Gibson Les Paul Recording in den 70ern, die Les Paul Classic mit Spezifikationen der 1960er Les Paul und heißen Keramik Pickups, dann die abgerissenen BfG-Modelle, halbakkustische Les Pauls oder auch die Premium-Version der Gibson Les Paul Supreme mit wahnsinniger AAAA-Plus-Deckenriegelung.

Wenn Du eine gebrauchte Gibson Les Paul kaufen möchtest, bist Du am Anfang mit einer Les Paul Studio wahrscheinlich besser beraten. Da kannst Du dich erstmal rantesten. Wenn Du schon weißt, was Du willst, schieß Dir ne Les Paul Standard. Wenn man ne Custom hat, macht man sich die ganze Zeit Sorgen, dass ne Macke dran kommt.

Und noch was…. eine gebrauchte Gibson Les Paul kaufen macht wirklich Sinn. Je älter eine Gitarre ist, desto besser hat sich die Holz-Struktur gesetzt und damit die Schwingungseigenschaft verbessert. Der Sound ist einfach ein ganz anderer. Dazu kommt, dass die Holzvorräte gut abgelagerter Hölzer stark zur Neige gehen und Gibson seine Hölzer heute aus irgendwelchen Ecken der Welt bezieht. Getrocknet wird im Hochofen und dieses Holz ist einfach schwerer als früher. Also werden sogenannte Soundholes in die Bodies gefräst. In den neuen Gibson Les Pauls sind also zig Löcher im Body, damit dieser leichter wird. Finden wir nicht geil und spielen wir deshalb auch nicht.

 

 

Tips: Im Netz eine gebrauchte Gibson Les Paul kaufen

Im Internet eine gebrauchte Gibson Les Paul zu kaufen ist natürlich verlockend, da man die größte Auswahl hat. Gerade eine gebrauchte Gibson Les Paul kaufen wir ja nicht eben mal beim Händler an der Ecke, hier muss man schon in Ruhe suchen und dann auch Glück haben. Die größte Auswahl an gebrauchten Gibson Les Pauls findet man auf GearDude.net, der Suchmaschine für gebrauchte Musikinstrumente-Kleinanzeigen. Dort werden Kleinanzeigen aller Portale zusammengesammelt und Du sparst Dir die mehrfache Suche auf den Portalen. Is außerdem kostenlos.

Beim Kauf einer gebrauchten Gitarre von einer unbekannten Person im Netz ist natürlich die persönliche Besichtigung und auch das Anspielen vor dem Kauf Pflicht. Dass das natürlich nicht geht, wenn man aus Hamburg kommt und ne Gitarre in München findet, ist klar. Vereinbart mit dem Verkäufer, dass er euch 14 Tage Zeit gibt, die Gitarre zurück zu senden. Da müsst ihr natürlich die Versandkosten tragen, im besten Fall erstattet ihr auch dem Verkäufer seine Versandkosten. Immernoch besser, als ne Gitarre zu kaufen, die man nicht gut findet.

Das Thema Sicherheit sollte immer an ester Stelle stehen. Wenn ihr das Gefühl habt, dass da was faul ist, lasst den Deal platzen. Bei Angeboten, die so günstig sind, dass sie kaum wahr sein können, sind sie es meistens auch nicht. Vorsicht bei billigen Angeboten. Hinschreiben kann man schon, wenn aber dann eine Nachricht kommt, dass „jemand gerade nach England gezogen ist und die Gitarre bei einem Freund in Deutschland deponiert ist“, ist das zu 99% ein Betrüger. Wir haben seit Jahren ein paar Betrüger unter Beobachtung, die mit dieser Masche immer wieder Leute übers Ohr hauen.

Bei dieser Masche wird dann die Überweisung per „Western Union“ oder anderen Cash-Transfer Diensten gewünscht. Nachteil bei diesen Diensten ist, dass das Geld nicht zurück geholt werden kann, wie das bei Paypal oder Überweisung der Fall ist. Wer bei Western Union sein Geld abholt, ist verschwunden. Ohne Daten, ohne Chance auf Rückerstattung. Also NIEMALS mit einem dieser Dienste Geld weitergeben.

Wenn ihr eine Gitarre im Web kauft, telefoniert ihr wahrscheinlich mit dem Eigentümer. Lasst euch detaillierte Bilder per Mail schicken. Auch von heiklen Stellen wie dem Übergang vom Hals zur Kopfplatte (Rückseite). Hier bricht eine Gibson Les Paul ganz gerne. Die Reparatur muss gut gemacht sein. Wenn ihr euch auf einen Preis einigt, schreibt das per Mail an den Eigentümer. Im Idealfall macht ihr einen kurzen Kaufvertrag per Mail, den beide unterschreiben. Damit seid ihr auf der sicheren Seite. Wenn es keinen Kaufvertrag gibt, macht viel per Mail, das sind im Falle eines Rechtsstreits wichtige Beweise.

Achte darauf, was an der Gitarre Umgebaut wurde. Frage nach Brüchen, Reparaturen, Modifikationen. Immer ganz gut ist ein GitarrenScheckheft wie die Guitar ID, mit der all das dokumentiert werden kann.

 

Altersbestimmung Gibson Les Paul anhand der Seriennummer

Die Seriennummer einer Gibson Les Paul gibt Aufschluss über das Baujahr und die Fabrik, in der sie gebaut wurde. Die alten Gibson Les Pauls hatten 5 Stellige Nummern, die auch bei Custom Shop Modellen verwendet wurden. Sie liefen nach dem Schema X-XXXX, wobei die erste Ziffer das Baujahr angab und die restlichen vier laufende Seriennummern waren.

In den 1960ern wurden die Seriennummern dann 6-stellig. Irgendwann zwischen 1972 und 1975 erhielten Sie den Zusatz „Made in USA“ unter der Nummer. Ab 1977 waren die Nummern dann 8-stellig nach dem Schema JTTTJFFF. Hier standen die beiden Ziffern „J“ für das Baujahr. Also zum Beispiel bei der Nummer 71239123 für 1979. Die erste Gruppe Ziffern mit „TTT“ standen für den Tag des Jahres, an dem sie gebaut wurde. Die Gruppe „FFF“ steht für das Werk, in dem sie gebaut wurde. 001-499 für Kalamazoo und 500-999 für Nashville.

Hier gibt es auch im Netz Seiten wie das „GuitarDaterProject“, das bei der Bestimmung des Alters helfen kann.

Wir werden diesen Artikel nach und nach erweitern, wenn wir Zeit haben. Im Moment muss die Info mit den Seriennummern erstmal ausreichen. Wir bitten um Verständnis.

 

Eine gefälschte Gibson Les Paul erkennen / Fake Les Pauls

Gerade beim Kauf über das Netz ist es schwer, eine gefälschte Gibson Les Paul zu erkennen. Achte als Erstes auf das Gesamtbild. Sitzt das Logo gerade, sind schrottige Grafiken irgendwo platziert, sieht die Gitarre einfach billig aus? Wenn das alles passt, achte auf die Details. Besonders oben am Hals, wo die „Glocke“ (Trussrodcover bzw. Halsstababdeckung“ sitzt, entlarvt man die meisten Fakes. China-Fakes haben hier drei Schrauben, um die Glocke zu befestigen. US-Gibsons nur zwei. Aber auch hier sind die Chinesen schnell und haben bereits Blindschrauben (ohne hals) auf die Glocke geklebt, damit es original aussieht. Also schaut euch noch die Bridge an. Bei einer asiatischen Bridge haben die Haltestifte oben Schlitze für einen Schraubenzieher und sind viel dicker, als die dünnen Stifte der US-Bridges.

An der Halsrückseite könnt ihr sehen, ob eine längere schräg laufende Naht im Holz zu erkennen ist (nur bei Transluscent Lackierungen, bei Schwarz oder weiß sieht man das nicht). Wenn da eine Naht läuft, ist der Hals angesetzt. Ebenfalls ein Zeichen für eine gefälschte Gibson Les Paul.

 

Optimales Gewicht einer Gibson Les Paul

Hier scheiden sich die Geister. Jeder will eine leichte Les Paul, vergisst aber dabei, dass es sich um einen massiven Block Holz handelt. Oder handeln sollte. Eine Les Paul wiegt nunmal ihre 4 Kilo. Das kann bei einer gebrauchten Gibson Les Paul Custom aus den 1970ern schon mal bis auf 5 Kilo hoch gehen. 3,7 Kilo für ne Standard sind ein ordentlicher Wert. Alles andere hat „Soundholes“ im Body. Feierabend. Typisch Deutsch ist dann die Frage nach dem Gewicht beim Kauf. Das hat ungefähr soviel Sexappeal, wie die Frage nach dem Verbrauch beim Kauf eines Porsches.

In den 90ern gab es immer wieder as Gerücht des „Euro Trash“. Damit waren Gitarren gemeint, die zu schlecht waren, um sie in den USA zu verkaufen und daher hat man sie dann halt nach Europa verschippert.

 

Moderne Produktion und Gibson Gerüchte

Um die Qualität und Produktion der modernen Gibson Les Paul ranken sich wilde Gerüchte. So soll Gibson mittlerweile im eigenen Epiphone-Werk in Quingdao / China auch die Holzteile für seine USA-Gibsons herstellen. Diese werden dann verleimt, lackiert und ohne Elektronik als Möbelteile deklariert und so  containerweise in die USA verschifft. Dort kommt dann noch die Elektronik rein, Mechaniken und Saiten drauf und zu guter Letzt werden Seriennummer und der „Made in USA“-Stempel angebacht. Wir wissen nicht ob es wahr ist und bitten darum, dies als Gerücht zu behandeln, bis Beweise vorliegen.

Dass an dieser Story etwas Wahres dran sein kann, würde der gewaltige Preisrutsch der Gibsons vor einigen Jahren erklären. Damals stellte Gibson auch sein Vertriebssystem um, wechselte vom Vertrieb M&T / Marburg zum eigenen Vertrieb in Vianen / Holland und warf 90% der deutschen Händler aus der Belieferung. Seit dem sind in Deutschland nur ca 12 Händler zum Verkauf und Handel mit Gibson-Gitarren berechtigt. Im ZUge dessen sanken die Preise der Gitarren um einen zweistelligen Prozentsatz, was die Bestände der damaligen Händler im Wert reduzierte und Sammlungen von Sammlern ebenfalls im Wert sinken lies. Die Qualität der Gibsons, die man heute im Laden findet und die billigsten Modelle, die bereits ab ca. 600 Euro zu haben sind, unterstützen diese Theorie.

 

Wenn Du also eine gebrauchte Gibson Les Paul kaufen willst, dann such über die Suchmaschine www.GearDude.net und kauf eine gebrauchte Gibson Les Paul aus den 80er oder 90er Jahren.

 

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3 Kommentare

  1. Dan Klinge
    • GearDude
      • Dan Klinge

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